Wintertage in Flims und Laax

Das Winterresort Flims Laax Falera gehört zu den grössten Skigebieten der Schweiz. In der Halfpipe und auf den Schanzen im Snowpark trainieren Grössen wie Iouri Podladtchikov – was schon nur beim Zusehen spektakulär aussieht.

Der Tag startet mit dickem Nebel. Die Sicht beträgt einige Meter, danach kommt träges Grau. Von der Bündner Bergwelt ist an diesem Tag nichts zu sehen. Also geht es mit der Gondel hinauf, immer weiter, von Flims, das auf 1100 Meter über Meer liegt, bis auf über 2000 Meter. Immer noch keine Sonne, kein Fleckchen blauer Himmel. Doch dann, während die Seilbahn zur Station Crap Masegn hinauffährt, reisst der Himmel auf. Ein Raunen geht durch die Skifahrer und Snowboarder – endlich Sonne.

Flims_Laax

Nach mehrmaligem Umsteigen ist der höchste Punkt im Skigebiet Flims Laax Falera erreicht. Vom Vorab Gletscher auf knapp 3000 Metern über Meer bietet sich ein Rundumblick auf so exotisch klingende Spitzen wie Piz Fess und Pizzo Tambo. Berge, soweit das Auge reicht. Zwar fehlen hier markante Berge wie Eiger, Mönch und Jungfrau, auf die man in Skigebieten des Berner Oberlandes seinen Blick richten kann. Dafür erscheint hier der Horizont weiter entfernt als sonst wo.

Auf breiten und gut präparierten Pisten geht es nun die Hänge hinunter. Einige ziemlich flache Traversen bergen besonders für Snowboarder eine Herausforderung. Umso praktischer ist es, einen Skifahrer dabeizuhaben, der einen die paar fehlenden Meter ziehen kann. Von den Metern, davon gibt es hier übrigens viele. Flims Laax Falera gehört mit 235 Pistenkilometern und 28 Anlagen zu den grössten Skigebieten der Schweiz.

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Ein Tag reicht kaum, um alle Pisten einmal abzufahren und alle Lifte zu benützen. Was ausserdem auffällt: Es gibt hier wenig schwarze, dafür umso mehr blaue und somit einfach befahrbare Pisten. Was aber nicht heisst, dass es an Nervenkitzel fehlt. Denn: Laax ist das Schweizer Paradies für Freestyler.

Der Snowpark zieht auch Skifahrer und Snowboarder aus dem Ausland an. Die mit 200 Meter längste Halfpipe der Welt sieht von Nahem noch viel gigantischer aus als im Fernsehen. Und erst die Schneehaufen, die von Pistenfahrzeugen zu wahren Schanzen-Ungetümen geformt wurden: Meterhoch ragen die eisigen Gebilde in den Himmel. Ein Schaudern nur bei der Vorstellung, selbst darüber fahren zu müssen.

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Wer auf der Suche nach mutigen – und zugegebenermassen auch verrückten – Menschen ist, wird hier fündig. Grössen wie der Snowboardstar Iouri Podladtchikov trainieren in Laax. Leider ist der eigenwillige Wuschelkopf an diesem Tag nicht vor Ort. Dennoch bietet sich einem beim Zuschauen ein grosses Spektakel – auch wenn es aus sicherer Entfernung geschieht.

Man kann sich nämlich neben dem Snowpark in den Schnee setzen und dem Geschehen beiwohnen. Betont lässige Freestyler begrüssen sich per Handschlag, aus Lautsprechern ertönt laute Musik. Unter Applaus landen die Fahrer nach halsbrecherischen Sprüngen über die Schanze wieder auf dem Boden.

Am nächsten Tag wäre Schlitteln angesagt. Doch schon bei der Talstation in Flims heisst es, dass der Schnee dafür zu schlecht sei. Schade. Also geht es ohne fahrbaren Untersatz mit dem Sessellift nach Foppa hinauf, wo die drei Kilometer lange Schlittelpiste starten würde. Immerhin findet sich dort oben eine kleine Restaurant-Trouvaille. Beim Mittagessen in den Bergen steht man bekanntlich oftmals vor der nicht allzu kreativen Auswahl zwischen Älplermagronen, Käseschnitte oder Schnipo. Anders in der «Capunseria».

In dem kleinen Bergrestaurant, das sich in einem urchigen ehemaligen Heustall befindet, kann die typisch bündnerische Spezialität Capuns probiert werden. Für die klassische Variante wird eine Teigmasse mit Bündner Trockenfleisch und Salsiz angereichert und in Mangoldblätter eingewickelt. Garantiert besser als jede Portion fettige Pommes Frites. Zum anschliessenden Dessert gibt es Bündner Nusstorte, eine Kombination aus Mürbeteig, Walnüssen und süssem Caramel.

Da nun aus der Schlittenfahrt nichts geworden ist, geht es eben zu Fuss wieder den Berg hinab. Ein gemütlicher Winterwanderweg durch die verzuckerten Tannenwälder hat schliesslich auch seine Reize. Und der fluffige Neuschnee lädt ein zur Schneeballschlacht. So vergeht der Rückweg auch ohne Fahrt mit dem Davoserschlitten mühelos.

Flims_LaaxAuch der letzte Tag wird in gemächlichem Tempo bestritten. Ausgerüstet mit Schneeschuhen und Stöcken geht es auf den Berggipfel Crap Masegn auf knapp 2500 Meter. Ein knallblauer Himmel sorgt für Weitsicht, warmer Sonnenschein bringt einen nach wenigen Schritten ins Schwitzen. Die Region rühmt sich als eine der sonnenreichsten Europas.

 

Der Schneeschuhpfad ist mit grellpinken Stöcken ausgeschildert. Sogar mit schlechtem Orientierungssinn könnte man sich nicht verlaufen. Und so klappern die Schuhe Schritt für Schritt durch den Schnee. Die Wanderung wäre ja ganz romantisch, würden die Plastikdinger an den Füssen nicht ein solch lautes Knirschen verursachen.

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Beim Schneeschuhabenteuer zeigt sich bald: Auf präparierten Wanderwegen machen die Schuhe keinen grossen Sinn. Besser eignen würde sich dafür eine Tour durch unberührte Tiefschneelandschaften. Denn diese sind hier zur Genüge vorhanden.

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