Hoch hinaus: Vom Graubünden ins Glarnerland

Die 2-Tageswanderung von Brigels im Graubünden über den Kistenpass zur Muttseehütte und weiter nach Linthal im Glarnerland verlangt einem einiges ab. Doch als Wanderer wird man belohnt mit fantastischen Ausblicken, einer surrealen Landschaft und Begegnungen mit Steinböcken.

Unsere Wanderung startete am Samstagmorgen in Brigels im Graubünden. Dorthin gelangt man von Chur per Zug und Postauto. In Brigels, das zu der Region Surselva gehört, gings mit der Sesselbahn Crest Falla in die Höhe und dann weiter auf die Alp Quader. Ab hier verlässt man die geteerte Strasse und gelangt auf einen schmalen Trampelpfad.

Surreale Landschaft

Allmählich führt der Anstieg hinauf ins Hochgebirge. Statt saftiger grüner Alpwiesen dominieren nun Felsen und Schutt. Der Blick auf die umliegenden Berge und die teils surreale Landschaft ist fantastisch. Der ständige Wechsel der Umgebung lässt uns über die Strapazen des stetigen Aufstiegs hinwegsehen.

Blick in die Tiefe

Der Weg führt weiter über eine steil abfallende Geröll-Landschaft. Hier sollte man wirklich gut aufpassen, wo man hintritt: Ein paar Meter unterhalb des Weges geht es hunderte Meter senkrecht in die Tiefe. Weit unten leuchtet dass Türkisblau des Limmern-Stausees.

Der Kistenpass markiert die Kantonsgrenze zwischen dem Graubünden und Glarus.  Bald danach erreichen wir den höchsten Punkt unserer Wanderung, die  Kistenpasshütte auf 2714 Metern. Die einstige Militärunterkunft thront hoch oben im Fels und ist nur über eine Metallleiter erreichbar. Während wir in der winzigen SAC-Hütte einen heissen Ingwertee trinken, ziehen vor den Fenstern Nebelfetzen vorbei. Wir wähnen uns inmitten der Wolken.

Längste Staumauer der Schweiz

Von hier aus ist es nicht mehr allzu weit und wir erreichen die Muttseehütte, wo wir die Nacht verbringen. Das letzte Wegstück führt über die Staumauer des Muttsees. Mit 1050 Metern ist sie die längste Staumauer der Schweiz und die höchstgelegene Europas. Das Wasser des Muttsees wird als Speicher zur Herstellung von Strom genutzt. Die riesige Anlage passt überhaupt nicht in die ansonsten so unberührte Landschaft und wirkt ziemlich abschreckend.

Begegnung mit Steinböcken bei der Muttseehütte

Übernachtet haben wir in der Muttseehütte. Diese wird scheinbar jeden Abend von einer Gruppe von Steinböcken besucht. Wir hatten jedenfalls Glück: Kurz vor dem Abendessen tauchten die Steinböcke in der Nähe der Hütte auf und liessen sich überhaupt nicht von uns stören. Die Begegnung war extrem eindrücklich.

Steiler Abstieg

Am nächsten Tag folgte noch der steile Abstieg hinunter zur Bergstation Kalktrittli. Stangen und Seile sichern hier den Weg, der eindeutig nur für schwindelfreie Wanderer geeignet ist. Mit einer Seilbahn, die ursprünglich für die Arbeiter der Staumauer gebaut wurde, geht es ins Tal. Hier könnte man ein Alpentaxi bestellen, um an den Bahnhof des Dorfes Linthal zu gelangen. Wir hingegen nahmen auch noch dieses Stück unter die Füsse. Immerhin gibt es unterwegs noch einen schönen Wasserfall zu bestaunen.

Infos zur Wanderung

  • Die gesamte Wanderdauer beträgt ungefähr acht Stunden (auf zwei Tage verteilt). Dabei geht es 1392 Meter abwärts und 1607 aufwärts.
  • Ausgangspunkt: Crest Falla, Bergstation Sesselbahn (Postautoverbindungen von Brigels)
  • Endpunkt: Kalktrittli–Bergstation oder Linthal ( Bahnhof Linthal erreichbar mit dem Alpentaxi ab der Talstation der Seilbahn Tierfehd)
  • Einkehren/Übernachten: Unterkunft und Verpflegung: Muttseehütte, Kistenpasshütte, Bifertenhütte
  • Anforderungen: weiss-rot-weiss (T3 – anspruchsvolles Bergwandern)
  • Weitere Informationen hier.

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