Tirana zeigt Mut zur Hässlichkeit

Ob es sich wohl lohnt, Tirana, der Hauptstadt Albaniens, einen Besuch abzustatten? Diese Frage stellten wir uns auf unserem Roadtrip durch Italien, Kroatien, Bosnien, Montenegro und Albanien. Da die Stadt sowieso auf unserer Strecke lag, beschlossen wir, einen Halt einzulegen. Und wir sollten diese Entscheidung nicht bereuen!

Die Anfahrt mit dem Auto stellte sich allerdings als ziemlich stressig heraus: Grosse Kreisel, in denen die Autos wild durcheinander fahren und jeder macht, was er will. Mehrspurige Strassen, auf denen die Fahrer ohne zu blinken die Spur wechseln. Kaum Parkplätze, Baustellen und Einbahnen machten die Sache nicht leichter. Ist das Auto einmal parkiert, sollte man es besser stehen lassen. Tirana hat etwa eine halbe Million Einwohner. Das Stadtzentrum lässt sich gut zu Fuss besichtigen, öffentliche Verkehrsmittel haben wir keine benutzt.

Das Zentrum von Tirana

In der Mitte des Zentrums befindet sich der riesige Skanderbeg-Platz, benannt nach dem albanischen Nationalhelden aus dem 15. Jahrhundert. Rund um den Platz stehen wichtige Gebäude wie die Et’hem-Bey-Moschee, ein 35 Meter hoher Uhrturm, die Oper oder die Stadtverwaltung. Der Platz ist ein guter Ausgangspunkt für eine Stadtbesichtigung, am besten einfach darüber schlendern und die neuen Eindrücke in sich aufsaugen. Der Platz war für mich schon die erste positive Überraschung Tiranas – irgendwie hätte ich hier keinen solch imposanten Ort erwartet. In der Ufo-Bar nahe des Platzes gibt es übrigens köstliche Sandwiches!

Die Enver Hoxha Piramida

Weiter geht es zur hässlichsten und zugleich berühmtesten Sehenswürdigkeit Tiranas: Die Enver Hoxha Piramida. Drei Jahre nach dem Tod des Diktators wurde die Piramida 1988 als Memorial-Bau und Enver-Hoxha-Museum eingeweiht. Sie war der teuerste Bau, der jemals im Kommunismus verwirklicht wurde. Heute ist nur noch eine hohle Ruine übrig geblieben, über und über mit Graffitis verziert. Zeitweise war darin sogar ein Club beheimatet. Mehrfach wurde bereits darüber diskutiert, den hässlichen Bau abzureissen. Allerdings hängen die Einwohner Tiranas am Gebäude, welches das Stadtbild prägt – und so bleibt es wohl auch weiterhin bestehen. Leider ist die Piramida abgesperrt, man kann sie also nur von aussen ansehen.

Eine weitere Nationalheldin Albaniens ist Anjezë Gonxha Bojaxhiu, weltweit bekannt als Mutter Theresa. Nach ihr wurde ebenfalls ein Platz benannt, der jedoch nicht besonders spektakulär aussieht. Der Weg vom Skanderbeg-Platz zum Mutter-Theresa-Platz führt entlang einer prächtigen Allee. Dort befindet sich auch der bei Touristen beliebte Tirana-Schriftzug.

Blloku: Das coolste Viertel von Tirana

Abends darf ein Besuch im Blloku-Viertel nicht fehlen. In der kommunistischen Ära war Blloku ein total abgeriegeltes, vom Militär Tag und Nacht bewachtes Viertel, in dem sich Luxusvillen mit westlichem Standard befanden. Heute feiert hier vor allem die Jugend der Stadt: Blloku hat sich zu einem quirligen Stadtviertel voller Restaurants, Bars, Cafés und Clubs entwickelt.

Was mich hier völlig erstaunt hat: Wie unglaublich cool diese Bars sind! Chillige Gartenlounges mit hippen Möbeln, laute Musik, fancy Drinks. Dazwischen teure Autos, die durch die Strassen kurven und die ganze Schickeria der Stadt. Tatsächlich läuft hier jeder so gestylt herum, wie man es hier bei uns nirgends zu sehen bekommt. Ein Abend im Blloku darf man sich wirklich keinesfalls entgehen lassen. Ein Ort, wie ich ihn in Albanien nicht erwartet hätte.

Und weil wir leider selbst mit Cool-Sein beschäftigt waren, habe ich keine Fotos aus Blloku… Also nichts wie selbst hinfahren!

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