Roadtrip durch Albanien: Der Süden

Unser Roadtrip durch Albanien führte uns einmal quer durch das ganze Land, vom Norden bis in den Süden. Es gibt eine gut ausgebaute Strasse, die stets nahe an der Küste verläuft: Die SH8.

Der Llogara-Pass

Kurz nach der (überaus hässlichen) Hafenstadt Vlora kann man allerdings nicht mehr dem Meer entlang fahren, sondern muss den Llogara-Pass überqueren, um weiter in den Süden zu gelangen. Die Fahrt auf über 1000 Meter bietet schöne Blicke hinunter an die Küste. Ganz so spektakulär, wie die Fahrt in manchen Reiseführern und Blogs beschrieben wird, empfanden wir die Strecke allerdings nicht. Liegt vielleicht daran, dass wir uns in der Schweiz spektakuläre Passfahrten gewohnt sind?

Im südlichen Teil von Albanien reiht sich ein Strand an den nächsten. Auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsort hat man also die Qual der Wahl. Jedoch war dieser Teil nicht mehr ganz so unberührt, wie wir uns das gewünscht hätten. So machten wir beispielsweise einen kurzen Abstecher nach Jal, wo wir aber gleich wieder umkehrten: Zugebaut, viel Müll und ziemlich überlaufen.

Sowieso, Albanien hat ein riesengrosses Abfallproblem. Es hat mich teilweise schockiert, wie viel Müll überall rumliegt, Sei es am Strand, in einer historischen Stätte oder am Strassenrand. Sehr, sehr schade!

Livadh

Schliesslich landeten wir mehr oder weniger zufällig in dem kleinen Strandort Livadh und dort auf dem Campingplatz Kranea. Die Platzverhältnisse dort waren zwar etwas beengt, aber der Strand nur ein paar Schritte vom Stellplatz entfernt. Zu tun gibt es nicht allzu viel, aber für ein paar ruhige Tage mit Baden und Faulenzen ist man hier richtig.

Auf der Weiterfahrt passierten wir südlich von Himara einen alten U-Boot-Bunker. Sieht ziemlich heruntergekommen und gruselig aus – und hat irgendwie etwas von einem James-Bond-Film.

Syri i Kaltër – das Blaue Auge

Auf der Höhe von Saranda, also schon ziemlich weit im Süden des Landes, befindet sich die Karstquelle Syri i Kaltër, auf Deutsch Blaues Auge. Dort, wo das Wasser aus der Tiefe tritt, hat sich ein leuchtend türkisblaues Becken gebildet. Eigentlich ein wunderschöner Anblick. Nur leider ist die Sehenswürdigkeit heillos überlaufen und wird täglich von Dutzenden Cars voller Besucher überschwemmt. Das nimmt dem magischen Ort so ziemlich jede Magie.

Eigentlich ist es verboten, in dem 10 Grad kalten Wasser zu baden, es gibt jedoch viele, die sich nicht daran halten. Angrenzend zur Quelle hat es ein Restaurant mit nicht besonders freundlichen Angestellten. Lohnt es sich also überhaupt, zum Blue Eye zu fahren? Wenn es auf dem Weg liegt, warum nicht. Aber man sollte nicht zu viel davon erwarten.

Ksamil

Im Voraus wurde uns von mehreren Freunden empfohlen, nach Ksamil zu fahren. Tatsächlich ist das Meer an diesem Badeort wunderschön und könnte einem Ferienkatalog aus der Karibik entspringen.

Doch das hat sich wohl schon länger herumgesprochen… Und so sind die Strände mit Liegestühlen und Sonnenschirmen zugestellt, es wimmelt von Bausünden und halbfertigen Gebäuden und auch das Müllproblem ist hier wieder sehr präsent. Nicht ganz so idyllisch, wie es vielleicht auf den Fotos aussieht… Ausserhalb der Saison ist es aber bestimmt toll.

Butrint

Ein paar Fahrminuten von Ksamil entfernt befindet sich dann allerdings noch einmal ein Ort, den man unbedingt besuchen sollte: Die antike Ruinenstadt Butrint, seit 1992 Unseco-Weltkulturerbe. Die Überreste der einstigen Hafenstadt liegen verstreut auf einer bewaldeten Halbinsel. Butrint gilt heute als eine der bedeutendsten archäologischen Stätten im Mittelmeerraum, es gilt als zweites Troja – einfach in Kleinformat. Hier finden sich mehr Infos über die Geschichte von Butrint.

Da Butrint eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Albanien ist und sogar Tagestouristen aus dem nahen griechischen Korfu kommen, sollte man die Stätte am besten frühmorgens besuchen. Wir waren bereits kurz nach 8 Uhr dort und waren tatsächlich die ersten Besucher des Tages. So hatten wir das beeindruckende römische Theater, das einst 2500 Zuschauern Platz bot, fast ganz für uns alleine.

Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich mich besonders für antike Ausgrabungsstätten interessiere. Ein Haufen Steine, bei dem man sich schwer vorstellen kann, wie das Ganze früher einmal ausgesehen hat. Doch Butrint hatte wirklich etwas sehr Faszinierendes, wie es da mitten in der Natur liegt. Man kann alle Überreste begehen (was eigentlich ziemlich unglaublich ist) und bekommt wirklich ein gutes Bild davon, wie es hier früher ausgesehen haben muss. Also unbedingt hingehen!

Von Ksamil aus fuhren wir dann noch die verbleibenden 50 Kilometer bis in die griechische Hafenstadt Igoumenitsa. Auf dieser Strecke liegt noch einmal eine lustige Flussüberquerung sowie eine faszinierende Landschaft. Von Igoumenitsa fahren dann Fähren auf verschiedene griechische Inseln oder auch nach Italien. In 16 Stunden fuhren wir nach Ancona, wo es zurück Richtung Schweiz ging.

Albanien hat uns als Reiseziel auf jeden Fall überzeugt und ich hoffe, dass das nicht unsere letzte Reise dorthin war! Das Land bietet tolle Landschaften, schöne Strände, freundliche Menschen, günstige Preise – und auch ein für Europa ungewöhnliches Mass an Exotik und Abenteuer. Bleibt nur zu hoffen, dass Albanien vom wachsenden Tourismus profitieren kann, ohne sich allzu stark zu verändern.

Die bisher erschienenen Artikel unseres Balkan-Roadtrips:

 

 

 

 

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