Natur pur auf der Vulkaninsel Ometepe

Nach León und Granada ging unsere Reise weiter nach Ometepe. Dabei handelt es sich um die weltweit grösste vulkanische Insel in einem Süsswassersee. Stellt sich die Frage, wo es das überhaupt sonst noch gibt…  Aber die vielen Reiseberichte, die ich von der Insel gelesen hatte, bestärkten mich darin, unbedingt nach Ometepe fahren zu wollen.

Ometepe
Ankunft in Ometepe – im Hintergrund der Vulkan Concepción

Die Reise dorthin dauert ziemlich lange. Per Minibus fuhren wir direkt von Granada zum Fähranleger in San Jorge. Per Bus müsste man noch in Rivas umsteigen. Soweit so gut. Doch dann kam der richtig üble Teil, und zwar die Bootsüberfahrt über den Lago de Nicaragua. Es gibt sowohl Fähren als auch Boote, die einen in ca. 1h nach Moyogalpa auf Ometepe bringen. Als wir in San Jorge ankamen, wartete leider ein klappriges Boot auf uns. Wir mussten uns im unteren Bereich des Bootes hinsetzen, auf schmalen und unbequemen Holzbänken. Das Boot wurde gefüllt, bis kein Platz mehr übrig war. Und alle Passagiere mussten sich vorsorglich eine Schwimmweste überziehen. Wie ermutigend.

Ometepe

Nach wenigen Metern auf dem See wurde klar, dass das keine angenehme Fahrt werden würde: Unser Schiff wurde von den meterhohen Wellen wie ein Papierschiffchen hin- und hergeschleudert. Hinzu kam, dass die unfreundlichen Angestellten mit einem lauten Knall die Türe zum Passagierbereich verschlossen und mit einem Riegel blockierten. Und da sassen wir eingesperrt und mit starrem Blick auf das Wasser blickend. Ungewollt tauchten da plötzlich Bilder von Flüchtlingen, die in überfüllten Booten nach Europa kommen, in meinem Kopf auf… Die mit Abstand schlimmste Bootsfahrt, die ich je erlebt habe.

Ometepe

Mit flauem Magen betraten wir in Moyogalpa wieder festen Boden. Nun ging es per Chicken Bus nach Altagracia und von dort weiter an die Playa Santa Domingo. Ein langer und nicht allzu angenehmer Reisetag kam endlich zu einem Ende. Wir bezogen ein Zimmer in der hübschen Hospedaje Buena Vista, die sich auf dem Landstreifen befindet, der die beiden Vulkane Concepción (1610m) und Maderas (1394m) miteinander verbindet.

Ometepe
Hospedaje Buena Vista

Am nächsten Tag beschlossen wir Fahrräder zu mieten, um die Insel zu erkunden. Zwar gäbe es auch Roller, mit denen die Fortbewegung um einiges gemütlicher wäre. Allerdings hatten unsere Zimmernachbarinnen beide übel zerschlagene Beine mit hässlichen Wunden – das reichte als Abschreckung. So ging es eben schön sportlich und bei grosser Hitze über die holperigen Pisten. Dafür gab es eine tolle Sicht auf den Vulkan Concepción, einen spannenden Einblick in die einfache Lebensweise der Inselbewohner sowie in die sattgrüne Natur.

Ometepe
Der Lago der Nicaragua – mehr Meer als See

Ometepe

Ometepe
Nicht alle Strassen auf Ometepe sehen so gut aus…

Zum Abschluss belohnten wir unsere Anstrengungen mit dem Besuch des Ojo de Agua, einem Schwimmbecken mitten im Dschungel, das von einer erfrischenden Wasserquelle gespiesen wird. Herrlich!

Ometepe

Ometepe

Eine tolle Aktivität wäre eigentlich auch die Besteigung einer der beiden Vulkane gewesen. Allerdings waren die Gipfel aufgrund der Regenzeit stets in dichte Wolken eingehüllt. Da war es uns dann doch zu blöd, eine bis zu 10-stündige Wanderung zu unternehmen, um anschliessend nicht einmal die Aussicht geniessen zu können…

Also entschieden wir uns stattdessen, zum Wasserfall San Ramón zu wandern. Per Taxi fuhren wir bis zum Ausgangspunkt, danach ging’s zu Fuss weiter. Ein Schild kündete an, dass der Weg 3km weit sei – ein Klacks, so scheint es. Doch der steil bergauf führende Weg hatte es in sich: Feuchte Hitze, die uns bald klatschnass werden liess und schmale, glitschige Wegstellen machten die Strecke zur körperlichen Herausforderung. Beim Wasserfall angekommen dann die grosse Enttäuschung: Es gab kein Wasser! Scheinbar hat es schon länger nicht mehr richtig geregnet (in der Regenzeit!) und so tröpfelte nur ein kleines Rinnsal vom 35 Meter hohen Felsen. Tjaa, es wäre wohl ein schöner Wasserfall. Aber so hatte sich das Ganze nicht wirklich gelohnt… Und zu allem Übel mussten wir nun den gleichen Weg wieder zurück.Ometepe

Ometepe
Wasserfall ohne Wasser

Insgesamt hat uns die Insel Ometepe aber sehr gut gefallen. Die Landschaft ist wirklich unvergleichlich. Und wir haben viele Affen, Echsen, bunte Schmetterlinge und Vögel entdeckt. Hier geht es noch sehr gemächlich zu, die Zeit scheint langsamer zu ticken als anderswo. Die meisten Menschen bewegen sich mit Fahrrädern oder Motorroller vorwärts, Autos gibt es nicht allzu viele. Mit etwas über 4000 Einwohnern ist Altagracia der grösste Ort der Insel – das sagt doch schon einiges.

Ometepe

Tipps für Ometepe
  • Die Hospedaje Buena Vista liegt an der Playa Santa Domingo und besteht aus verschiedenen Bungalows. Unser Zimmer lag im ersten Stock und bot einen Blick auf den Lago de Nicaragua. Für das Doppelzimmer bezahlten wir 25$. Im dazugehörigen Restaurant gibts auch ziemlich leckeres Frühstück, das aber extra bezahlt werden muss. Der freundliche Eigentümer hilft zudem gerne bei der Organisation von Ausflügen.
  • Fast nebenan liegt das Natural Restaurant Vegetariano. Wie es der Name schon sagt, gibts hier ausschliesslich vegetarische Küche (das hat durchaus Seltenheitswert). Bei Bob Marley und Kerzenschein assen wir gebratenes Gemüse, Auberginen, Hummus und Reis – lecker und gemütlich!
  • Ebenfalls gut gegessen haben wir in einem griechischen (!) Restaurant. Ziemlich schräg, auf Ometepe ein griechisches Restaurant zu eröffnen… Der Koch hat aber anscheinend ein paar Jahre dort gelebt und sich in die Küche verliebt. Es gab Tsatziki, Gyros, Falafel & Co. und es schmeckte tatsächlich wie in Griechenland!

Ometepe

  • Der Eintritt ins Ojo de Agua kostet 3$ pro Person. Im Restaurant direkt am Becken ist das Essen ganz lecker, nach unserer anstrengenden Velotour haben wir uns Burger mit Pommes gegönnt =)
  • Um nach Ometepe zu gelangen, einfach nach San Jorge an den Ticketschalter gehen und ein Billett für das nächste Boot lösen. Mit der Fähre wäre es wohl angenehmer als mit dem kleinen Klapper-Boot…

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