Tückische Wanderung und tiefe Täler im Durmitor

Nach Kroatien und Bosnien führte uns unser Roadtrip weiter nach Montenegro. Ein Land, welches wir bereits zwei Jahre zuvor besucht hatten – und damals begeistert von Kotor und vom Lovcen-Nationalpark wieder verlassen hatten. Dieses Mal führte uns die Reise in den Durmitor-Nationalpark. Der Durmitor ist ein Bergmassiv im Norden Montenegros. Der Nationalpark gehört seit 1980 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Der höchste Gipfel des Durmitormassivs mit 2522 Metern ist der Bobotov Kuk, der zugleich auch die höchste Erhebung Montenegros ist. Bekannt ist die Gegend nicht nur fürs Wandern und fürs Riverrafting, sondern im Winter auch fürs Skifahren. So war es denn auch bei uns im August morgens weniger als 10 Grad kalt!

Als Ausgangspunkt für die Erkundung des Nationalparks eignet sich die Kleinstadt Žabljak. Eigentlich kein besonders schöner Ort, aber wir haben uns dort sofort wohlgefühlt. Es gibt hier dutzende Privatunterkünfte, Tourenabieter, einen grossen Supermarkt und ein paar Restaurants. Dazu viele Backpacker und insgesamt eine tolle entspannte Atmosphäre.

Nervenkitzel auf dem Meded

Eine erste Wanderung führte uns auf den 2223 Meter hohen Meded. Der Start der Wanderung liegt am bei Touristen beliebten Gletschersee Crno jezero. Von dort führt der Weg erst durch den Wald, dann über Wiesen und schliesslich immer steiler durch Felsen. Eine ziemliche Herausforderung, die nur mithilfe der Hände machbar ist. Andere Wanderer haben wir kaum angetroffen und so fühlte es sich an, als wären wir mitten in der Wildnis gelandet.

Meded, 2223 Meter (Mitte)

Die Sicht vom Meded ist fantastisch und eine würdige Belohnung für die Strapazen: Auf den leuchtend blauen Gletschersee hinunter und bis zur Tara-Schlucht hinüber.

Doch dann kam der Abstieg… und der hatte es tatsächlich noch mehr in sich, als es schon der Aufstieg hatte. Mehr Kletterpartie als Wanderung: Sehr steil, felsig und rutschig. Insgesamt ein eher angsteinflössendes Erlebnis, das wir niemandem weiter empfehlen würden. Wir wollten und jedenfalls nicht ausmalen, was bei einem falschen Tritt hätte passieren können…

Die Tara-Schlucht im Durmitor-Nationalpark

Wesentlich entspannter ist die kurze Wanderung zu einem Aussichtspunkt für die Tara-Schlucht. Mit dem Auto fuhren wir nach Tepca, von wo wir in ca. 20 Minuten auf den Curevac wanderten. Der Blick dort gilt als einer der besten – und das war nicht zu viel versprochen.

Die Tara-Schlucht hat eine Länge von 78 Kilometern und eine Tiefe von über 1300 Metern. Sie ist damit die längste und tiefste Schlucht Europas. Sie gehört neben der Colorado-Schlucht in den USA, dem Colca-Tal in Peru und einigen asiatischen Schluchten zu den grössten der Welt. Und wir hatten noch nie von dieser Schlucht gehört! Wer also nach Montenegro reist, sollte diesem Naturspektakel unbedingt einen Besuch abstatten.

Die Tara-Bridge

Auf der Weiterfahrt Richtung Albanien durfte ein Stopp bei der Tara Bridge nicht fehlen. Auch von hier ist die Aussicht in die Schlucht hinunter spektakulär. Für Adrenalinjunkies werden hier Rafting-Touren oder gar Ziplining über die Schlucht angeboten.

Von hier aus geht es nicht minder beeindruckend weiter: Die Strasse in die Hauptstadt Podgorica führt durch enge, schwindelerregend hohe Schluchten. Kriminell sind die montenegrinischen Tunnels: Nicht viel mehr als Löcher, die in den Berg gesprengt wurden – ohne Strassenmarkierung und ohne Licht. Die Fahrt durch ein solches schwarzes Loch war jedes Mal ein Nervenkitzel…

Reise-Tipps für den Durmitor-Nationalpark

  • Bezahlt wird in Montenegro mit Euro, mit Englisch sind wir gut zurecht gekommen.
  • Übernachtet haben wir im Guesthouse Durmitor Paradise. Der Name ist vielleicht etwas zu extravagant, aber die Besitzer waren äusserst liebenswürdig und das Studio geräumig und sauber.
  • Richtig lecker isst man im Restaurant Dvorište: Coole Stimmung mit guter Musik in einem Holzchalet, das tatsächlich eher an Skiferien als an Sommerferien erinnert.
  • Empfehlenswert ist es, für die Wanderungen im Park eine Karte zu kaufen. Zwar sind die Wege gut markiert, aber die Karte hilft für eine bessere Orientierung.
  • Autofahren in Montenegro ist wunderschön, hier hat es einige der schönsten Strassenabschnitte, auf denen ich je war. Aber es ist dabei viel Aufmerksamkeit gefragt: Die Strassen sind oft kurvig und schmal, die Tunnels wie gesagt eine Zumutung.

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