Bosnien: Ein Land abseits vom Massentourismus

Bosnien und Herzegowina war für uns bis vor kurzem ein weisser Fleck auf der Karte. Klar, ich wusste, dass die Hauptstadt Sarajevo heisst. Wir sahen auf der Karte, dass das Land nur einen 20 Kilometer langen Küstenabschnitt im Süden von Kroatien hat.

Und irgendwo war da auch noch die leidvolle Geschichte des Balkanstaates im Hinterkopf, der Bosnienkrieg mit furchtbaren Schlagworten wie dem Massaker von Srebrenica.

Da Bosnien auf unserer Route Richtung Albanien lag, beschlossen wir, dem Land einen Besuch abzustatten. Wir verbrachten eine Nacht in Mostar, einem der wichtigsten Reiseziele. Allzu viele gibt es davon scheinbar nicht. Das Wahrzeichen Mostars ist die Stari most (deutsch Alte Brücke) über die Neretva, die ursprünglich im 16. Jahrhundert erbaut wurde.

Eine Brücke mit langer Geschichte

1993, während dem Bosnienkrieg, wurde die Brücke zerstört. 1995 begann der originalgetreue Wiederaufbau, bei dem die alten Steine aus dem Fluss geborgen und wieder verwendet wurden. Nicht nur wegen ihrer architektonischen Einmaligkeit, sondern auch aufgrund der grossen Symbolkraft der Brücke wurde das Bauwerk und seine historische Umgebung 2005 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen und ist damit die erste Welterbestätte in Bosnien und Herzegowina.

Heute ist die Brücke die grösste Attraktion von Mostar. Junge Männer verdienen sich ihr Geld damit, unter den Augen der Touristen von der Brücke zu springen. Einen interessanten Artikel zu den Brückenspringern gibts hier zu lesen. Der Sprung 25 Meter in die Tiefe sieht spektakulär aus. So spektakulär, dass Red Bull hier Cliff-Diving-Meisterschaften durchführt – nicht ohne den Absprung mittels Podest noch um einige Meter zu erhöhen!

Der historische Kern von Mostar hat uns gut gefallen. Vielleicht etwas zu herausgeputzt und touristisch, aber hübsch. Ansonsten hat die Stadt allerdings nicht viel zu bieten. Eine Nacht reicht also für den Besuch von Mostar völlig aus.

Interessant soll auch ein Besuch der Hauptstadt Sarajevo sein. Dafür reichte es uns dieses Mal leider nicht. Dafür bekamen wir auf der Fahrt von Mostar an die Grenze zu Montenegro einen Blick aufs Leben auf dem Land in Bosnien. Das Fazit: Sehr ärmlich, teilweise etwas trostlos. Wir sind an unzähligen Friedhöfen vorbeigefahren – pro Dorf hatte es manchmal sogar mehr als einen Friedhof! – und auch Häuser mit Einschusslöchern haben wir gesehen. Der Krieg scheint insgesamt noch sehr präsent. Obwohl mittlerweile mehr als 20 Jahre vergangen sind…

Stausee Bilecko Jezero an der Grenze zwischen Bosnien und Montenegro

Wer ein Reiseziel fernab von ausgetretenen Pfaden sucht, liegt mit Bosnien richtig. Hier ist der Tourismus bisher kaum angekommen. Die Menschen, die wir angetroffen haben, waren freundlich und freuten sich über den Besuch. Allerdings trüben die Spuren des Kriegs (darunter auch viele Minen, die noch immer auf dem Land verteilt liegen) und die Armut unseren ersten Eindruck, den wir vom Land erhalten haben.

 

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